Stereokamera Glyphoscope

Am Beispiel der Stereokamera Glyphoscope von Jules Richard, gebaut ab 1906, soll einmal illustriert werden, warum bei biobjektiven Kameras die Halbbilder eines Stereobildpaares für die Betrachtung zu tauschen sind. Das Gerät ist als Kamera und Betrachter gleichermaßen zu nutzen. Als Aufnahmemedium dienten üblicherweise Negativ-Glasplatten im Format 45×107 mm mit einer Basis von 63 mm. Seltener war das Format 60×130 mm. Die Objektive sind 60mm Festbrennweiten mit den Blenden 8, 16, 22. Verschlusszeit ist 1/50 s oder Langzeitbelichtung.

Glyphoscope

Glyphoscope – Titelseite der Bedienungsanletung, Kamerateil, Betrachter und Mattscheibe


Im Foto des Mattscheibenteils kann man erkennen, dass die Bilder auf dem Kopf stehen und seitenverkehrt sind. Durch Drehung um 180 Grad erfolgt die Umkehrung. Die Bilder stehen jetzt aufrecht und seitenrichtig, müssen dann aber für die Betrachtung aber noch vertauscht werden.
Kamera Rückseite

Abbildung des Objekts auf der Mattscheibe

Bilder gedreht

Bilder aufrecht und seitenrichtig aber mit vertauschten Halbbildern

Vor dem digitalen Zeitalter bekam man die Positive durch Umkopieren. Bei Gebrauch eines Stereokopierrahmens musste man Negative nicht zerschneiden. Man verschob in dem Rahmen das Negativ und erhielt die entsprechende Kontaktkopie.

Stereokopierrahmen

Einfacher Stereokopierrahmen

Der Praxistest: Unten stehendes Anaglyphenbild wurde mit dem Glyphoscope auf Negativ-Planfilm aufgenommen, digitalisiert und montiert. Es zeigt die Skulptur Dionysos vor dem Hauptgebäude der TU Braunschweig im Januar 2017. Nach etwa 100 Jahren arbeitet die Kamera noch ohne Probleme. Es ist aber auch eine einfache und daher robuste Konstruktion.

Dionysys

Dionysos vor dem Hauptgebäude der TU Braunschweig